Sangiovese ist die prägendste rote Rebsorte Mittel- und Norditaliens und bildet das Herz zahlreicher ikonischer Weine der Toskana. Kaum eine andere Rebsorte steht so klar für Herkunft, Terroir-Ausdruck und Tradition. Charakteristisch für Sangiovese sind ihre lebendige Säure, feinkörnige Tannine und eine klare, oft elegante Struktur, die den Weinen Spannung und Trinkfluss verleiht. Je nach Herkunft und Ausbau reicht das Spektrum von zugänglich und fruchtbetont bis hin zu komplex und langlebig.
Herkunft und Terroir
Das wichtigste Anbaugebiet des Sangiovese liegt in der Toskana, insbesondere in Zonen wie Chianti, Chianti Classico, Montalcino und Montepulciano. Darüber hinaus spielt die Rebsorte auch in der Emilia-Romagna, in Umbrien sowie in Teilen Norditaliens eine bedeutende Rolle. Sangiovese reagiert äußerst sensibel auf Boden, Klima und Höhenlage. Kalk- und galestrohaltige Böden fördern Finesse und Struktur, während wärmere Lagen zu reiferer Frucht und mehr Volumen führen. Diese ausgeprägte Terroir-Abhängigkeit macht Sangiovese besonders spannend und vielseitig.
Reifeverhalten und Anbau
Sangiovese reift mittelspät bis spät und stellt hohe Ansprüche an Standort und Weinbergsarbeit. Die Rebsorte benötigt ausreichend Sonneneinstrahlung, um phenolisch vollständig auszureifen, ohne dabei an Frische zu verlieren. Zu hohe Erträge oder ungünstige Lagen können zu dünnen oder unausgewogenen Weinen führen. Qualitativ hochwertige Sangiovese-Weine entstehen daher vor allem durch Ertragsbegrenzung, sorgfältige Laubarbeit und eine präzise Lese zum optimalen Reifezeitpunkt.
Stil und Aromatik
Typische Sangiovese-Weine besitzen eine mittlere Farbtiefe, eine ausgeprägte Säurestruktur und feine, oft straffe Tannine. Aromatisch dominieren rote Früchte wie Sauerkirsche, Kirsche und rote Johannisbeere, ergänzt durch florale Noten, Kräuter, Gewürze, getrocknete Kräuter oder erdige Anklänge. Mit zunehmender Reife entwickeln sich komplexere Nuancen wie Leder, Tabak oder balsamische Töne. Sangiovese steht weniger für Opulenz als für Eleganz, Präzision und Struktur.
Ausbau und Vinifikation
Sangiovese wird sowohl im Edelstahltank als auch im Holz ausgebaut. Während der Ausbau im Edelstahl die Frische und Frucht betont, verleiht der Holzeinsatz – häufig in großen Fässern oder zurückhaltend eingesetzten Barriques – zusätzliche Tiefe, Struktur und Komplexität. Moderne Vinifikation zielt darauf ab, den sortentypischen Charakter und den Herkunftsausdruck klar herauszuarbeiten, ohne die natürliche Säure oder die Eleganz der Rebsorte zu überdecken.
Bedeutung und Stilvielfalt
Sangiovese zählt heute zu den wichtigsten Qualitätsrebsorten Italiens und genießt international hohes Ansehen. Ihre große Stärke liegt in der Fähigkeit, Herkunft authentisch widerzuspiegeln und gleichzeitig sehr unterschiedliche Stilrichtungen hervorzubringen. Von klassischen, säurebetonten Weinen mit hohem Trinkfluss bis hin zu strukturierten, lagerfähigen Qualitäten zeigt Sangiovese eine beeindruckende Bandbreite. Sie ist damit eine Schlüsselrebsorte für alle, die Rotweine mit Charakter, Spannung und klarer Identität schätzen.